Für das Räumungsgewerbe gibt es keine Zutrittsschranke. Weder Fachausweis noch Ausbildung oder Bewilligung sind nötig. Wer ein Fahrzeug und eine Website hat, kann morgen anfangen.
Das erklärt die unterschiedlichen Erfahrungen der Kundschaft. Es lohnt sich deshalb, vor der Beauftragung zwanzig Minuten zu investieren.
Bei Nachlassräumungen ist das Risiko besonders hoch: Die Auftraggeber sind belastet und oft unter Zeitdruck. Niemand kennt den Wohnungsinhalt genau genug, um nachträglich zu prüfen, was fehlt.
Die elf Warnsignale
1. Ein Preis am Telefon, ohne Besichtigung
Am Telefon sieht niemand, was in der Wohnung, im Keller und auf dem Estrich steht. Wer trotzdem einen Preis nennt, verlangt entweder einen Lockpreis, der später steigt, oder einen so hohen Sicherheitszuschlag, dass Sie zu viel bezahlen.
Auch «ungefähr» hilft Ihnen nicht weiter, solange niemand im Keller war. Verlangen Sie eine Besichtigung, bevor Sie über Geld sprechen.
2. Gratisräumung gegen Inventar ohne Schätzung
«Wir räumen kostenlos, wir nehmen einfach alles mit.» Das kann ein faires Geschäft sein. Es kann auch bedeuten, dass Sie eine Uhrensammlung verschenken.
Ohne Besichtigung und Schätzung weiss niemand, welcher Fall vorliegt, auch der Anbieter nicht. Wer es trotzdem zusagt, spekuliert auf Ihre Kosten.
3. Unklare Zahlungskonditionen
Vor einer Zahlung sollten Leistungen, Preis, eine allfällige Wertanrechnung und Zahlungstermin schriftlich vereinbart sein. Prüfen Sie auch, an wen Sie zahlen und welche Bedingungen bei einer Absage gelten. Fragen Sie bei unklaren Angaben oder Zahlungsdruck ohne schriftliche Vereinbarung zuerst nach.
4. Keine Firmenidentität
Prüfen Sie im Impressum: vollständiger Firmenname, Adresse (keine Postfachadresse, keine Domiziladresse in einem Treuhandbüro), UID-Nummer, Handelsregistereintrag. Die UID lässt sich im öffentlichen UID-Register des Bundes in einer Minute überprüfen.
Fehlt die UID oder passt der Firmenname nicht zum Registereintrag, brechen Sie ab.
5. Keine Frage danach, was ausgenommen bleibt
Wer Hausrat anrechnet oder ankauft, muss vor der Preisangabe wissen, was nicht mitgeht: die Fotokiste, der Ring der Mutter und das Werkzeug, das der Sohn abholt.
Fragt die Firma bei der Besichtigung nicht danach, tut sie es am Räumungstag, wenn der Wagen schon vor der Tür steht. Nennen Sie die Ausnahmen von sich aus und prüfen Sie, ob sie in der Offerte stehen.
6. Keine Antwort zur Entsorgung
Fragen Sie: «Trennen Sie in der Wohnung? Was geschieht mit Farben, Lösungsmitteln, Altöl und Elektrogeräten?» Wer sauber arbeitet, antwortet in einem Satz. Wer ausweicht, kippt vermutlich alles in dieselbe Mulde. Im schlechtesten Fall führt die Spur zu Ihnen als Auftraggeber zurück.
7. Nichts davon steht schriftlich
Was am Küchentisch besprochen wird, ist am Räumungstag nicht mehr nachprüfbar. Verlangen Sie die Offerte auf Papier oder als Datei. Prüfen Sie, ob sie das Vereinbarte enthält: welche Räume geräumt werden, was ausgenommen bleibt, an welchem Tag, wer den Schlüssel zurückgibt und, falls vereinbart, die Wertanrechnung mit eigenem Betrag.
8. Druck
Typische Sätze sind «Der Preis gilt nur heute», «Wir haben nächste Woche keinen Termin mehr» oder «Sie müssen jetzt unterschreiben». Räumungstermine lassen sich planen. Ein fairer Preis bleibt auch übermorgen fair.
Bei Nachlassräumungen besteht oft Zeitdruck durch den Termin der Wohnungsübergabe. Ein Anbieter, der zusätzlich drängt, hat dafür keinen sachlichen Grund.
9. Nachforderungen am Räumungstag
Typischer Ablauf: Der offerierte Preis war tief. Am Räumungstag heisst es, es sei «mehr da als besprochen», und die Rechnung steigt. Sie stehen unter Zeitdruck und stimmen zu.
Dagegen hilft nur ein Festpreis in der schriftlichen Offerte, die ausdrücklich regelt, unter welchen Bedingungen er sich ändern darf. Bei uns sind das genau zwei: wenn Sie nachträglich Räume hinzunehmen oder wenn Sonderabfall zum Vorschein kommt, der vorher nicht sichtbar war.
10. Wechselnde Aushilfen ohne festes Team
Fragen Sie, wer kommt. Bei einer Nachlassräumung sind fremde Personen stundenlang in der Wohnung eines Angehörigen und haben Zugang zu allem. Ein festes Team, das die Firma kennt und Verantwortung trägt, unterscheidet sich von einer Tagesequipe.
Fragen Sie auch, ob die Mitarbeitenden angemeldet und versichert sind. Sie haften unter Umständen mit, wenn auf Ihrer Baustelle Schwarzarbeit stattfindet.
11. Keine Referenzen aus dem Nachlassbereich
Eine Nachlassräumung unterscheidet sich von einem Umzug oder einer Entrümpelung. Dazu gehören Dokumentensichtung, Umgang mit Erbengemeinschaften, Diskretion und der Umgang mit Fundstücken. Fragen Sie nach Erfahrung mit Willensvollstreckungen und Verwaltungen.
Die Fragen, die eine gute Firma Ihnen stellt
Qualität erkennen Sie auch an den Fragen bei der Besichtigung:
- Wie ist die Erbenlage? Ist die Ausschlagungsfrist abgelaufen? Gibt es eine Willensvollstreckung? Sind alle Erben einverstanden?
- Bis wann muss die Wohnung übergeben sein? Von diesem Datum aus wird der Räumungstermin zurückgerechnet.
- Welche Räume, Gegenstände und Kategorien bleiben ausgenommen?
- Gibt es Hinweise auf Wertsachen oder Bargeld, und haben Sie die Wohnung bereits nach Dokumenten durchsucht?
- Wie sollen wir mit persönlichen Papieren und Fotos umgehen?
- Wer erhält den Schlüssel zurück, und wer ist am Termin erreichbar?
- Gibt es Nachbarn oder Situationen, auf die wir Rücksicht nehmen sollen?
Eine Firma, die diese Fragen nicht stellt, hat entweder wenig Erfahrung mit Nachlässen oder kein Interesse daran, sie richtig abzuwickeln.
Was Sie in fünf Minuten selbst prüfen können
- Prüfen Sie die UID im Register des Bundes. Existiert die Firma? Seit wann besteht sie? Passt der Zweck?
- Prüfen Sie den Handelsregisterauszug. Wer zeichnet? Gab es kürzlich Namenswechsel?
- Prüfen Sie im Impressum vollständige Adresse, Telefonnummer und Rechtsform.
- Lesen Sie Bewertungen quer. Die Texte sagen mehr als die Note. Achten Sie auf Häufungen ähnlich formulierter Bewertungen in kurzer Zeit.
- Rufen Sie an und stellen Sie eine Detailfrage, etwa zur Sonderabfallentsorgung. Wie gut die Antwort ausfällt, sagt mehr als jede Website.
Zwei Offerten sind genug
Drei bringen selten neue Erkenntnisse und kosten Zeit, die bei einer laufenden Kündigungsfrist knapp ist. Zwei Offerten von Anbietern, die vor Ort waren, zeigen Ihnen den Preisrahmen.
Ist eine Offerte deutlich billiger als die andere, fragen Sie nach, was darin fehlt. In den allermeisten Fällen erklärt das den Preisunterschied.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Was sollte vor einer Vorauszahlung feststehen?
Woran erkenne ich, ob eine Firma korrekt entsorgt?
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